mAssage
EINE GRUPPENBAUSSTELLUNG KURATIERT VON WIEBKE GRONEMEYER
MIT
KATRIN BAHRS (DE), SEBASTIAN BUERKNER (DE), DAVID CURTO (ES), SANTIAGO ESCOBAR (CO),
EHSAN FARDJADNIYA (NL), MANU LUKSCH & MUKUL PATEL (AT/UK), GIANCARLO PAZZANESE (CL)
4. JULI BIS 15. AUGUST 2009.
Alljährlich präsentiert Caesar & Koba zum Sommer eine Gruppenausstellung, die auf den besonderen Standort der Galerie in der Hamburger Speicherstadt und gleichzeitig auf das schwerpunktmäßig bevorzugte Neue Medium eingeht. In diesem Jahr wird die Durchführung der Ausstellungskonzeption dieses wiederkehrenden Kunstereignisses erstmalig in externe Hände gelegt. Auf Einladung der Galerie wird die Ausstellung mit dem Titel mAssage von der Kuratorin Wiebke Gronemeyer konzipiert. Es partizipieren internationale Künstler aus Hamburg, London, den Niederlanden, Chile und Kolumbien. Dabei steht der Begriff des ‚Mediums’ von Anfang an auf dem Spiel.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Tippfehler: nicht The Medium is the Massage, sondern The Medium is the Message sollte eigentlich 1967 der Titel des Buches lauten, mit dem der amerikanische Medientheoretiker Marshall McLuhan seine berühmte These “Das Medium ist die Botschaft” endgültig als Credo der Medientheorie postulieren wollte. Doch der simple Fehler des Setzers gefiel McLuhan so gut, dass er es bei dem scheinbar absurden Titel beließ, weil dieser gleich mehrere Lesarten bereitstellt: massage, message, mass age oder mess age. Der Fehler schrieb Geschichte, denn er verdeutlicht auf eindrücklichste Weise, worum es dem Autor geht: Medien können nicht mehr bloß als Träger von Botschaften begriffen werden - sie schaffen eine Art symbiotische Beziehung zwischen der Nachricht und ihrem Übertragungsmechanismus, zwischen Inhalt und Form, zwischen Digitalität und Materialität.
Die Arbeiten von Katrin Bahrs, Sebastian Buerkner, David Curto, Santiago Escobar, Ehsan Fardjadniya, Manu Luksch & Mukul Patel und Giancarlo Pazzanese machen sich diese Beziehung zum Thema. Das Medium wird zum Subjekt der künstlerischen Arbeit, wobei es sich nicht nur im so genannten Neuen Medium manifestiert.
Im heutigen Sprachgebrauch fungiert das Mediale als Synonym für Auflösung und Aufhebung jeglicher subjektiver Intentionen. Sprechen wir von Medien, meinen wir meist Massenmedien, und sprechen wir von ihren Funktionsweisen, dann attestieren wir immer gleichzeitig unsere eigene Ohnmacht ihnen gegenüber. Hier findet eine Massage statt, denn die Message ist nicht eindeutig. Den kreisenden Bewegungen einer Massage gleich scheint der Betrachter gegenüber den Medien gefangen in ihrer Zirkularität, ihrem symbiotischen Verhältnis von Form und Inhalt, Einheit und Unterscheidung, Realität und Illusion, Digitalität und Materialität. Was aber vor allem daran hindert das Mediale in der Komplexität seiner Mechanismen zu begreifen und damit umzugehen, ist die scheinbare Unmöglichkeit die Perspektive auf diese Phänomene zu verschieben.
Doch die Künstler erweisen sich imstande, eine gewisse Metaposition einzunehmen. Sie lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Verhältnis von Menschen mit ihren Geschichten zu ihrer medialen Umwelt. Sebastian Buerkners ganz eigene Filmsprache zwingt den Betrachter in seiner Videoinstallation die Animation von Bildern zu erleben, ihre Repräsentation aber in Frage zu stellen. In Katrin Bahrs Ink-Jet Prints, Ehsan Fardjadniyas grossformatigen Drucken auf transparentem Acryl oder Giancarlo Pazzaneses Performance-Serie „Lu-Che“ ziehen die Künstler hingegen ganz bewusst ihr Material aus der alltäglichen Bilderwelt, der öffentlichen Bilderflut. Doch finden sich auch hier diese Bilder keineswegs 1:1 in der künstlerischen Arbeit wieder, sondern müssen sich Dialog, Auseinandersetzung und unter Umständen auch einem Prozess der Zerstörung unterziehen, der ihnen alte Identitäten aberkennt und neue Assoziationsmöglichkeiten eröffnet. David Curtos Papierarbeiten und Manu Luksch & Mukul Patels Zensurstation fordern die Besucher der Ausstellung direkt dazu auf, aktiv Stellung zu nehmen gegenüber Medien als Träger von Information und in den Kommunikationsprozess einzugreifen.
Wenn das Medium zur Botschaft wird, dann bezieht sich das nicht nur auf das Verhältnis von Form und Inhalt, sondern vielmehr auf die direkte Auseinandersetzung des Besuchers mit der Ausstellung. Diese überträgt die McLuhansche Fragestellung nach der Art und Weise wie Medien die Beziehung der Menschen zu den Dingen grundlegend verändern auf die Beziehung des Betrachters zum Kunstwerk. Genauso wie McLuhan die Beziehung zwischen Nachricht und Medium als symbiotisch charakterisiert, werden die Kunstwerke zu Repräsentanten eines dynamischen Systems. Während die Künstler ihr eigenes Verhältnis zur Welt und Bilderwelt reflektieren, kreieren sie dabei für den Betrachter eine neue Umwelt. Die Galerie wird selbst zum Medium, und anstatt Inhalte zu vermitteln produziert sie sich als Vehikel, als Umgebung für die direkte Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Medialität.
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